Rhein-Neckar

Offener Brief an Klinikumsvorstand

Tarifkonflikt Uniklinika

Offener Brief an Klinikumsvorstand

Pflegekräfte sind "tief verletzt"
Kundgebung an der Uniklinik Heidelberg Frantisek Matousek Kundgebung an der Uniklinik Heidelberg

Heidelberg, 22. März 2018

Heute gab es ein Austauschtreffen der ver.di-Vertrauensleute, der Teamdelegierten und Beschäftigten des Uniklinikums Heidelberg. Dort wurde ein offener Brief an die Geschäftsführung verabschiedet.

Der offene Brief ist zeitgleich an den Klinikumsvorstand versandt worden – mit diesem Anschreiben:

„Eine Tarifauseinandersetzung wie die unsere wird in der Öffentlichkeit und vor allem auch um die öffentliche Meinung geführt. Dass dabei beide Seiten nicht nur mit Samthandschuhen kämpfen, ist klar.

Aber wie sich die Arbeitgeberin Uniklinikum Heidelberg in den letzten Tagen in der Rhein-Neckar-Zeitung positionierte, hat viele Kolleginnen und Kollegen am Klinikum getroffen: Da wurden nicht nur die Samthandschuhe ausgezogen, sondern Boxhandschuhe übergestreift (siehe RNZ-Artikel vom 21. März 2018 ).

Besonders der Vorwurf, durch Streiks die Patienten zu gefährden, hat viele verletzt. Stellt er doch den Konflikt auf den Kopf. Durch unseren unermüdlichen Einsatz, weit über die arbeitsvertraglichen Pflichten hinaus, sorgen wir Beschäftigte seit Jahren dafür, dass Patientinnen und Patienten noch ausreichende Pflege erhalten und eben nicht gefährdet werden. Patientengefährdung ist nicht die Folge der Streiks, sondern war der Grund dafür.

Nun ist ein Tarifvertrag auf Bewährung in Sichtweite. Schade, dass durch die Arbeitgeber in den letzten Tagen viel Vertrauen kaputt gemacht wurde. Vertrauen, das dringend benötigt wird, um diesen Tarifvertrag zu einem Erfolg zu machen. Damit es endlich Entlastung gibt.

Jetzt sind Sie als Klinikumsvorstand gefordert, auf uns, Ihre Beschäftigten zu zugehen. Weil wir alle wollen, dass unser Klinikum ein guter und sicherer Ort ist, für PatientInnen und Beschäftigte.“

 

 

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ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft - Bezirk Rhein-Neckar

Heidelberg, 21. März

Die örtliche ver.di-Streikleitung und der Klinikumsvorstand des Uniklinikums Heidelberg haben sich geeinigt, dass alle interessierten und streikbereiten Beschäftigten während ihrer Arbeitszeit in das ursprüngliche Streiklokal kommen können, um sich über das gestrige Ergebnis zu informieren und zu diskutieren.

Am Donnerstag von 07.00 Uhr  bis 15.30 Uhr  lädt die ver.di-Verhandlungskommission zu einem Treffen ins Streiklokal (Im Neuenheimer Feld 154) ein.

In unserem Kampf für einen Tarifvertrag für Personalmindestbesetzungen und ein Konsequenzenmanagement an unseren vier baden-württembergischen Uniklinika ist eine Einigung erstmals in Sichtweite. Bei  dem  gestrigen Gespräch sind die Arbeitgeber in der Frage der Verbindlichkeit endlich auf uns zugegangen. Wir führen dies auf den erfolgreichen 2-tägigen Warnstreik letzte Woche in Ulm sowie auf die Ankündigung einer massiven Ausweitung der Arbeitsniederlegungen noch in dieser Woche zurück. Die Verhandlungskommission hat nun heute das Ergebnis des gestrigen Gesprächs lange diskutiert und bewertet und hält einen „Tarifvertrag auf Bewährung“ auf dieser Basis für annehmbar.

„Diesen Verhandlungsstand will die ver.di-Verhandlungskommission mit allen interessierten Beschäftigten in Heidelberg zwischen 7 und 15.30 Uhr ausführlich beraten. Wir haben uns entschieden, die für Donnerstag und Freitag angekündigten Warnstreiks in Heidelberg, Freiburg und Tübingen auszusetzen, bis nach den Beratungen an den vier Standorten die große Tarifkommission von ver.di Mitte April endgültig entschiedet.“ so die Gewerkschaftssekretärin Monika Neuner.

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ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft - Landesbezirk Baden-Württemberg

Stuttgart, 21. März 2018

Tarifkonflikt Unikliniken – Einigung in Sichtweite zu einem Tarifvertrag auf Bewährung

Im Tarifkonflikt an den vier baden-württembergischen Unikliniken für Personal-Mindestbesetzungen und ein Konsequenzenmanagement ist eine Einigung erstmals in Sichtweite. Bei den gestrigen Gesprächen sind die Arbeitgeber in der Frage der Verbindlichkeit auf die Gewerkschaft zugegangen. ver.di führt dies auf den erfolgreichen zweitägigen Warnstreik letzte Woche in Ulm sowie vor allem auf die Ankündigung einer massiven Ausweitung der Arbeitsniederlegungen noch in dieser Woche zurück. Die Verhandlungskommission hat heute das Ergebnis der gestrigen Gespräche bewertet und hält einen „Tarifvertrag auf Bewährung“ auf dieser Basis für annehmbar.

Dieser Verhandlungsstand wird nun den Beschäftigten dargestellt und mit ihnen beraten. Die für Donnerstag und Freitag angekündigten Warnstreiks in Heidelberg, Freiburg und Tübingen werden ausgesetzt, bis nach den Beratungen an den vier Standorten die große Tarifkommission von ver.di Mitte April endgültig entscheidet.

Bei den detaillierten Regelungen für Mindestbesetzung und ein Ausfallmanagement lagen schon länger „durchaus gute“ Ansätze auf dem Tisch. Bisher hatten die Arbeitgeber aber jegliche Verbindlichkeit insbesondere bezüglich Konsequenzen bei einer Unterschreitung der Pflegepersonalbesetzungen abgelehnt. Nun haben sie gestern doch noch ein Sonderkündigungsrecht des Tarifvertrages nach sechs Monaten angeboten, bisher standen hier bis zu zwei Jahre. Zudem haben sie angeboten, ein verbindliches Ausfallmanagement umgehend nach Abschluss eines Tarifvertrages an den Uniklinikstandorten zu veröffentlichen und in Kraft zu setzen.

ver.di Verhandlungsführerin Irene Gölz: „Damit wäre ein Weiterwurschteln wie bisher vom Tisch. Wir hätten einen Tarifvertrag auf Bewährung. Entweder die Arbeitgeber halten sich dann in einer solchen kurzen Probezeit an die Vereinbarungen, dann kann so ein Tarifvertrag ein Erfolg werden. Oder sie reißen die zu vereinbarenden roten Linien ein. Dann werden wir am Ende des Jahres wieder vor der Tür stehen.“

Entscheidend für eine endgültige Annahme der Verhandlungsergebnisse ist für die Gewerkschaft die Bewertung durch die Beschäftigten.

Gölz: „Diese Streikbewegung für eine echte Entlastung wurde und wird in den vier Kliniken breit getragen. Die Beschäftigten leiden seit Jahren unter der Personalnot. Sie werden nun das Ergebnis des Tarifgespräches beraten und bewerten.“

ver.di weist im Übrigen die Vorwürfe der Arbeitgeber, die angekündigten Warnstreiks würden aufgrund der Grippe-Welle die Patientinnen und Patienten gefährden, entschieden zurück.

Gölz: „Mehr Verantwortung und Augenmaß bei der Streikplanung geht fast gar nicht: Wir verschieben den Streik in Heidelberg wegen der Grippe-Welle. Kaum haben wir abgesagt, fahren die Arbeitgeber das OP-Programm wieder nach oben ohne Rücksicht auf die Belegungssituation. Wir haben Notdienstvereinbarungen, die zum Teil bessere Besetzungen vorsehen als an vielen Wochenenden. Die mangelnde Versorgung von Patienten ist nicht Ergebnis der Streiks, sondern der Grund. Eines ist klar: In den letzten Tagen ist durch die Vorwürfe der Arbeitgeber an ihre Beschäftigten, die ihr Streikrecht wahrnehmen wollen, viel Vertrauen zerstört worden. Hier sind die Arbeitgeber nun echt gefordert.“

Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener Tarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika, von dem rund 27.000 Beschäftigten an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzte fallen unter den TV Ärzte, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.