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Die Zukunft gibt’s nur mit mehr Personal

Unikliniken

Die Zukunft gibt’s nur mit mehr Personal

Angehende Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger am Uniklinikum Heidelberg wollen Ausbildung & Zukunft retten
Banner mit Aufschrift "Mehr von uns ist besser für alle" ver.di Mehr von uns ist besser für alle

Unter dem Motto „Ausbildung retten – Zukunft retten“ ruft die Gewerkschaft ver.di am Donnerstag, 16.11. um 16 Uhr Auszubildende der Uniklinik Heidelberg zur einer Protestaktion in der Pause auf dem Vorplatz der medizinischen Klinik auf. „Azubis brennen für die Pflege, viele haben wegen der Personalnot aber auch Angst um ihre Zukunft. Daher fordern sie lautstark einen Tarifvertrag, der Entlastung und mehr Personal in die Baden-Württembergischen Uniklinika bringen soll“, so Monika Neuner, die für Krankenhäuser zuständige ver.di-Gewerkschaftssekretärin in der Region Rhein-Neckar. Um die Ausbildungsqualität und damit die Zukunft zu sichern braucht es gute Mindestbesetzungsregeln, d.h. verbindlich mehr Pflegepersonal auf den Stationen, im OP, in den Funktionsdiensten.

Es gibt zwar auch einen Tarifvertrag zur Ausbildungsqualität an der Uniklinik. „Leider steht vieles davon nur auf dem Papier und kann in der Praxis zu oft wegen Personalnot nicht eingehalten werden.“, so Imre Uysal, der ver.di-Gewerkschaftssekretär für Auszubildende. Laut Tarifvertrag darf z.B. kein sogenanntes Stationshopping stattfinden: Während des praktischen Einsatz soll der/ die Auszubildende/r auf einer festen Station/ Bereich über einen bestimmten Zeitraum ausgebildet werden. „Wegen Personalengpässen werden Azubis regelmäßig auf andere Stationen ‚ausgeliehen‘, um dort für einen Tag oder länger zu unterstützen. Das ist rechtlich nicht zulässig und nicht ausbildungsfördernd“, so Imre Uysal. Das Ausmaß zeigt deutlich, es fehlt an Personal. Azubis dürfen nicht als Lückenfüller genutzt werden.“

Azubis brennen für die Pflege, viele haben wegen der Personalnot aber auch Angst um ihre Zukunft.

Monika Neuner, ver.di-Gewerkschaftssekretärin in Heidelberg

Beim Thema Praxisanleitung ist es ähnlich, so Monika Neuner. Laut Tarifvertrag sind 10% der Zeit im Einsatz unter Praxisanleitung vorgesehen. „Für die PraxisanleiterInnen wie für die Azubis ist es frustrierend, wenn dies nicht klappt, weil die Zeit fehlt. Und es gefährdet die Ausbildung.“
Imre Uysal ergänzt: „Die Auszubildenden sind die Zukunft. Genauso wie viele erfahrene Kolleginnen und Kollegen brennen sie für die Pflege. Die Zukunft gibt es aber nur mit mehr Personal! Sonst werden auch motivierte jüngere Kolleginnen und Kollegen leider schnell dem Krankenhaus den Rücken kehren. Das wollen wir nicht.“

Hintergrund:
Nachdem ver.di Baden-Württemberg den Arbeitgeberverband der vier Uniklinika in Baden-Württemberg (Freiburg, Tübingen, Heidelberg und Ulm) bereits Ende Juli zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag zur Entlastung der Beschäftigten und mehr Personal aufgefordert hatte, kam es am 27. Oktober in Stuttgart nach fast drei Monaten endlich zu einem ersten Gespräch. Die Arbeitgeber hatten dort zwar Verhandlungsbereitschaft erkennen lassen, wollten aber nicht verbindlich über Mindestbesetzungen, sprich mehr Personal, verhandeln. Bevor über konkrete Entlastungen gesprochen werden könne, müsse erst eine Analyse der Belastungen gemacht werden, so die Arbeitgeber. ver.di ist nicht bereit, weitere Monate über Analysen zu verhandeln, sondern nur noch über konkrete Maßnahmen zur Lösung der Personalengpässe auf den Stationen.

Für die vier baden-württembergischen Uniklinika in Ulm, Tübingen, Heidelberg und Freiburg gilt ein eigener Tarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika, von dem rund 27.000 Beschäftigten an den vier Kliniken betroffen sind. Die Ärzte fallen unter den TV Ärzte, das wissenschaftliche Personal als Landesbeschäftigte unter die Tarifbestimmungen des Landes.

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