Rhein-Neckar

Für gute Personalausstattung in der Psychiatrie

Für gute Personalausstattung in der Psychiatrie

ver.di-Aktion am 9.Oktober im Psychiatrischen Zentrum Wiesloch

Eine menschliche Psychiatrie braucht genug Personal. Mit dieser Botschaft gehen Mitarbeiter/innen psychiatrischer Einrichtungen bundesweit an die Öffentlichkeit. Auch Beschäftigte des Psychiatrischen Zentrum PZN Wiesloch werden am Dienstag, 9.Oktober um 14 Uhr 15 mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion vor dem Casino auf ihre Überlastung aufmerksam machen.

Die Beschäftigten sorgen sich, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unzureichende Personalstandards beschließen könnte. Krankenkassen und Kliniken verhandeln in dem Gremium über neue Personalmindeststandards, die die geltende Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) ersetzen sollen. Patientenvertreter/innen und Fachverbände haben nur eine beratende Funktion.
Die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft ver.di fordern, dass die Vorgaben dem tatsächlichen Bedarf in den Psychiatrien entsprechen. »Wir wollen eine Psych-PV plus, die den gestiegenen Personalbedarf berücksichtigt – zum Wohle aller«, betont Ralf Reichenbach, Sprecher der ver.di-Aktivengruppe und Personalrat am PZN Wiesloch.
Personalmangel in der Psychiatrie habe dramatische Folgen, sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Beschäftigte, erläutert Monika Neuner, ver.di-Ansprechpartnerin für die Psychiatrie-Beschäftigte in Rhein-Neckar. »Die in der Psychiatrie vor allem notwendige Beziehungsarbeit braucht genug Zeit, nur dann können Patientinnen und Patienten optimal versorgt und behandelt werden. Es dürfe nicht sein, dass Beschäftigte in der Psychiatrie, diese Arbeit mit zu wenig Personal bewältigen müssen.« Seien zu wenige Kolleg/innen vor Ort, komme es häufiger zu Gewalt gegen Beschäftigte. Auch Zwangsmaßnahmen, wie Fixierungen, könnten nur bei einer ausreichenden Personalausstattung so weit als möglich vermieden werden. »Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil vom Juli 2018 die Regelungen zu Zwangsfixierungen verschärft. Jetzt stehen Arbeitgeber, Krankenkassen und Regierung in der Pflicht, für die nötigen Rahmenbedingungen zu sorgen. Das bedeutet ganz klar bessere Personalvorgaben, z.B. deutlich mehr Pflegefachkräfte. Diese müssen vom Gesetzgeber refinanziert und anschließend von den Arbeitgebern auch konkret nachgewiesen werden«, so die Gewerkschafterin Monika Neuner.
Mit den Aktionen will ver.di den Druck auf Klinikbetreiber und Versicherungen erhöhen, angemessene Personalstandards festzulegen. »Die Verhandlungen laufen hinter verschlossenen Türen. Wir Beschäftigte haben keinen Einfluss, werden nicht einmal angehört«, kritisiert Ralf Reichenbach. »Das ist ein Unding, denn wir sind es, die täglich mit den Folgen der Personalnot konfrontiert sind.«, so Reichenbach, der seine KollegInnen als Personalrat berät. »So kann es nicht weitergehen. Dass psychisch kranke Menschen gut betreut werden, ist nicht nur im Interesse der Beschäftigten und Patienten, sondern auch der Gesellschaft als Ganzes.

 

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