Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

    Streik bei der Servicetochter der Psychiatrie in Wiesloch wird …

    Streiktag bei SGN

    Streik bei der Servicetochter der Psychiatrie in Wiesloch wird fortgesetzt

    auch das Land Baden-Württemberg muss seiner Verantwortung und dem Koalitionsvertrag gerecht werden

    Aktualisierung Pressemitteilung ver.di Rhein-Neckar:

    Der Streik bei der Servicetochter des PZN Wiesloch wird am Mittwoch, den 7.10. ganztägig fortgesetzt.

    Ver.di bewertet den ersten Streiktag am 6.10. als vollen Erfolg mit über 60 Teilnehmer*innen.

    Streik bei SGN Wiesloch am 22.7.2020 fehr-foto.de Streik bei SGN Wiesloch am 22.7.2020

    Stuttgart, 5. Oktober 2020

    ver.di ruft die Beschäftigten der hundertprozentigen Tochterfirma des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden in Wiesloch am Dienstag, 6.Oktober zu einem ganztägigen Warnstreik auf.

    „Wiesloch ist landesweit trauriger Spitzenreiter. In allen anderen Zentren für Psychiatrie erhält eine Küchenmitarbeiterin rund 400 Euro mehr Lohn im Monat“, so Monika Neuner, ver.di-Ansprechpartnerin vor Ort. Seit der Ausgründung im Jahr 2006 vergrößerte die Geschäftsleitung in Wiesloch Jahr um Jahr die Lohnschere.

    Bei der letzten Verhandlung am 24. September hatte die SGN-Geschäftsleitung die Beschäftigten dennoch mit einem Angebot deutlich unterhalb der Entgelterhöhungen des Ländertarifs abspeisen wollen.

    „Wir nutzen unser Streikrecht, um der Geschäftsleitung deutlich zu machen, wie ernst es uns mit der Sache ist. In der Wäscherei denken wir an die Pflegekräfte, die möglicherweise länger auf saubere Wäsche und hygienische Dienstkleidung warten müssen,“ sagt Petra Klose, Betriebsrätin und beschäftigt in der Wäscherei. „Streiken fällt uns nicht leicht, wenn wir wissen, dass die Patient*innen nur ein Streik-Essen statt ihres Wunsch-Menüs erhalten. Aber es ist nötig.“, sagt Kay Clement, aus der Küche.

    In der Küche in Wiesloch werden bis zu 3.000 Mittagessen täglich zubereitet. Mit dieser Menge sind die Wieslocher Beschäftigten landesweit Spitzenreiter, denn neben ihren Patient*innen versorgen sie unter anderem noch tausende von Kindern und Schülern in der Region mit vier verschiedenen Mittagsmenüs.

    Politisch verantwortlich für das Outsourcing mit schlechteren Arbeitsbedingungen ist die Landesregierung. Vor 2006 waren die Arbeitsnehmer*innen der heutigen Servicetochter noch Landesbeschäftigte. Seither haben die Beschäftigten Zehntausende Euro weniger verdient als an allen anderen Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg. Die Zentren für Psychiatrie stehen unter Fachaufsicht und der Gewährträgerschaft des Landes.

    „Die Beschäftigten der Servicetochter setzen große Hoffnung in den Aufsichtsrat der Mutter,“ sagt Michel Zimmer, ver.di-Verhandlungsführer.

    Die Regierungsparteien hatten im Koalitionsvertrag festgehalten, wie wichtig die Zentren für Psychiatrie für das Land Baden-Württemberg sind und die Absicht formuliert, die Zentren finanziell angemessen auszustatten.

    Irene Gölz, ver.di-Landesfachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales. „Es ist gut, dass Sozialminister Lucha das Problem durch die Aktivitäten der SGN-Kolleg*innen nun seit Kurzem auf seiner Agenda hat. Wir erwarten jetzt eine konstruktive Lösung.“

    Hintergrund:
    Die Servicegesellschaft Nordbaden mbH (SGN) ist eine 100% Servicetochter des Psychiatrischen Zentrums Wiesloch. Insgesamt beträgt die Anzahl der Beschäftigten um die 130 Kolleg*innen in Küche, Wäscherei, Privatstation, Café, Kantine und SB-Shop. Seit 2006 fallen die SGN-Beschäftigten nicht mehr unter den Tarifvertrag der Länder, sondern unter einen niedrigeren Haustarifvertrag. In Baden-Württemberg gibt es insgesamt 9 Zentren für Psychiatrie (ZfP). Die ZfP-Gruppe Baden-Württemberg ist ein Unternehmensverbund von sieben rechtlich selbständigen Anstalten des öffentlichen Rechts, die unter Gewährträgerschaft des Landes Baden-Württemberg stehen.

    Laut Antwort des Sozialministers Herrn Lucha auf eine „Kleine Anfrage“ von MdL Karl Klein im Juli 2020 sind die Löhne in Wiesloch im Schnitt mindestens ca. 350-400€ niedriger als im Länder-Tarif (TV-L). In Baden-Württemberg spielt Wiesloch mit dieser Schlechterstellung unter allen neun Zentren für Psychiatrie (ZfP) eine Sonderrolle. In den anderen Zentren, z.B. in Winnenden oder Calw werden die Beschäftigten der Küche und Wäscherei nach Länder-Tarif entlohnt.