PZN Wiesloch

Ver.di will kräftige Lohnerhöhungen für die Beschäftigten der Servicetochter am Psychiatrischen Zentrum in Wiesloch aushandeln

100 Service-Beschäftigte aus Küche, Wäscherei & Co beteiligen sich an Pausen-Aktion vor dem Verhandlungsstart am 31.August in Wiesloch
30.08.2022
Pausen-Aktion „100 Unterschriften vor der 1.Tarifverhandlung für ver.di-Forderungen“ bei der Servicetochter am Psychiatrischen Zentrum in Wiesloch

Die ver.di-Aktiven bei der Servicegesellschaft Nordbaden mbH des Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) in Wiesloch gehen am 31.August 2022 selbstbewusst in den Start der Tarifverhandlungen über die Erhöhung ihrer Löhne.

„Wir haben unsere Kolleg*innen gefragt, was ihre Forderungen sind. Von unseren 113 Kolleginnen und Kollegen in Küche und Wäscherei haben sich 100 an unserer Unterschriften-Aktion beteiligt.“, so Irina Andrienko, Wäschereibeschäftigte und von ihren Kolleg*innen in die ver.di-Tarifkommission gewählt. „Das stärkt uns beim Verhandlungsauftakt den Rücken, die berechtigten Forderungen unserer Kolleg*innen in Höhe von 300 Euro monatlich mehr und nach einem echten 13.Monatsgehalt zu verteidigen. Die Lebensmittel- und Energiepreise steigen massiv an und fressen unsere Löhne auf. Wir brauchen eine kurze Laufzeit von zwölf Monaten beim Tarifvertrag, den niemand weiß, wie sich die Situation noch entwickelt.“

Monika Neuner, Verhandlungsführerin von ver.di Rhein-Neckar, die sich gemeinsam mit den Beschäftigten in Wiesloch einsetzt: „Butter ist das beste Beispiel, dass die Löhne gerade für Beschäftigte im niedrigeren Lohnbereich wegschmelzen. Für eine Butter muss ich 50 Prozent mehr als noch vor einem Jahr ausgeben, für Lebensmittel im Durchschnitt 15 Prozent mehr. Die Kolleg*innen machen ihre Arbeit im Service, der Küche und Wäscherei des Psychiatrischen Zentrums wirklich gerne. Sie müssen es sich aber weiter leisten können, hier zu arbeiten. 300 Euro im Monat mehr bedeutet für eine Kollegin in Vollzeit etwa zwischen 11,4 und 13 Prozent mehr Geld in der Tasche. Das ist nicht zu viel verlangt.“

Zur Forderung nach einem 13.Monatsgehalt sagt Kay Clement, Koch und aktiv in der ver.di-Tarifkommission: „Am Anfang eines Jahres hat mensch einfach mehr Ausgaben zu stemmen. Wir wollen nicht länger im Januar mit einem Minus starten und auf Pump leben müssen. Wir arbeiten hart. Wir nehmen es nicht mehr hin, ständig in Sorge vor unerwarteten Ausgaben zu sein. Ein echtes 13.Monatsgehalt bedeutet Wertschätzung und Entlastung für uns.“

Auch bei Thema Urlaub/ Erholung erwarten die Beschäftigten, die den ganzen Service am PZN stemmen, dass der Arbeitgeber ihre Leistungen stärker honoriert: „Ich habe nur 28 Tage Urlaub. Wir fordern 30 Tage plus für Beschäftigte mit mehr als 10 Jahren Betriebszugehörigkeit noch mal zwei Tage pro Jahr oben drauf, als Treueprämie.“, so Mustafa Güzel, ebenfalls als Koch in der ver.di-Tarifkommission aktiv. „Unsere Arbeit in Küche, Wäscherei und Service ist auch körperlich sehr fordernd. Durch das knappe Personal entstehen viele Krankheitsausfälle, die die Beschäftigten kompensieren müssen. Dabei kommt die Erholung zu kurz. Ich bin schon über 50 Jahre alt, meine Tochter, die 30 Jahren jünger ist, erhält mehr Urlaub als ich, weil sie direkt vom Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes profitiert. Ich nicht, da wir outgesourced sind. Ich gönne meiner Tochter jeden Urlaubstag, aber wir wissen auch, was unsere Arbeit wert ist.“, so Güzel weiter.

 
Ausschnitt Plakat mit den 100 Unterschriften für die ver.di-Forderungen

„Wir kämpfen auch weiter für unser Ziel, dass wir mittelfristig die Arbeitsbedingungen des Länder-Tarif erreichen. Wir wollen, dass die Ungerechtigkeit aufhört, dass wir als einzige Beschäftigte der Landespsychiatrien in Wäscherei, Küche & Co mit weniger Lohn als unsere Kolleg*innen in Winnenden, Weinsberg, Zwiefalten, Emmendingen usw. abgespeist werden.“ so Irina Andrienko aus der Wäscherei weiter. „Wiesloch soll nicht die einzige Landespsychiatrie bleiben, bei denen die Servicebeschäftigten keinen Ländertarif-Lohn erhalten. Auch die Landesregierung als Eigentümerin nehmen wir weiterhin in die Pflicht“, pflichtet ihr Monika Neuner von ver.di Rhein-Neckar bei.

 

  • Hintergrund

    Die Servicegesellschaft Nordbaden mbH (SGN) ist eine 100% Tochter des Psychiatrischen Zentrums Wiesloch. Insgesamt arbeiten ca. 113 Beschäftigte in Küche, Wäscherei, Privatstation, Café, Kantine und SB-Shop. Seit 2006 fallen die SGN-Beschäftigten nicht mehr unter den Tarifvertrag der Länder, sondern unter einen niedrigeren Haustarifvertrag. In Baden-Württemberg gibt es insgesamt neun Zentren für Psychiatrie (ZfP). Die ZfP-Gruppe ist ein Unternehmensverbund von sieben rechtlich selbständigen Anstalten des öffentlichen Rechts, die unter Gewährträgerschaft des Landes Baden-Württemberg stehen.

    In Baden-Württemberg spielt Wiesloch mit dieser Schlechterstellung der Servicebeschäftigten als einzige von allen neun Zentren für Psychiatrie (ZfP) eine Sonderrolle. In den anderen Zentren, z.B. in Winnenden oder Calw werden die Beschäftigten der Küche und Wäscherei nach Länder-Tarif entlohnt.

    Ende 2020 hatten die ver.di-Mitglieder der Servicetochter in Wiesloch nach drei Tagen Streik und vielen Aktionen gegenüber ihrem Arbeitgeber und dem Aufsichtsrat einen Tarifabschluss mit Lohnerhöhungen zwischen 10 und 14 Prozent über zweieinhalb Jahre erreicht. Das war der erste Mal, dass ihre Lohnschere zum Länder-Tarif etwas kleiner wurde. Die Lohnerhöhungen von 260 Euro über diese Laufzeit bedeuteten eine Verbesserung für ihre Lebenssituation. Nun müssen sie wieder für eine Verbesserung kämpfen, da sie nicht automatisch von den Lohnerhöhungen im Länder-Tarif profitieren und immer noch zwischen 250 und 560 Euro pro Monat zu wenig verdienen (verglichen mit der Lohn-Tabelle im Länder-Tarif zum 1.12.2022). Ihre Forderungen für Lohnerhöhungen: 300 Euro monatlich mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und ein echtes, verlässliches 13. Monatsgehalt. Darüber hinaus erwarten die Kolleg*innen, dass ihr ver.di-Tankgutschein in Höhe von aktuell 35 Euro im Quartal auf 70 Euro erhöht wird, da die Kolleg*innen durch ihre Schichtarbeit im ländlichen Raum, mit sehr frühem Arbeitsbeginn leider aufs Auto angewiesen sind. Zwecks Erholung erwarten sie von ihrem Arbeitgeber eine Erhöhung des Urlaubs auf mindestens 30 Tage im Jahr, sowie nach 10 Jahren Betriebstreue um weitere zwei Tage.

     

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