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Eigensinn im Bruderland

ver.di aktiv gegen rechts

Eigensinn im Bruderland

Die Geschichte der Werksvertragsarbeiter_innen in der DDR vom Ende der 70er Jahre bis zum -teilweise kurzfristig vorgezogenen- Auslaufen der Staatsverträge.
Eigensinn im Bruderland zg Eigensinn im Bruderland

Zu einer Abendveranstaltung mit dem Titel "Eigensinn im Bruderland" in Mannheim luden der AK ver.di aktiv gegen rechts bei ver.di Rhein-Neckar, das Zukunftsforum Gewerkschaften Rhein-Neckar, der express - Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit / AFP e. V. und die Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg am 25.09.2020 ein.

Anhand ihrer preisgekrönten Webdokumentation "Eigensinn im Bruderland" (www.bruderland.de) führte Julia Oelkers durch die Geschichte der Werksvertragsarbeiter_innen in der DDR vom Ende der 70er Jahre bis zum -teilweise kurzfristig vorgezogenen- Auslaufen der Staatsverträge.

Mit Unterstützung des ehemaligen Vertragsarbeiters, Zeitzeugen und Autors Ibraimo Alberto veranschaulichte sie die Hintergründe und Probleme der Vielzahl von Menschen, die zu Arbeitszwecken in die DDR geholt wurden. Alberto selbst kam 1981 in den damaligen »Bruderstaat«, mit dem Versprechen, dort studieren zu können. Doch schon am Flughafen wurde er in ein Fleischkombinat abkommandiert. Er durfte sich im Land nicht frei bewegen, nicht heiraten. Ein Schicksal welches er mit vielen weiteren Menschen teilt.

Untergebracht in Wohnheimen mit Pförtnern, ohne Rücksicht auf die Lebensgewohnheiten der Menschen, oft diskriminiert und konfrontiert mit dem Rassismus der Kolleg_innen und Vorarbeiter_innen, mussten diese Menschen hart arbeiten und bei kleinsten „Verstößen“ wurde mit „Rückführung“ gedroht bzw. diese auch sehr schnell angewandt.

Mit Ende der DDR 1990 wurden die Vertragsarbeiter_innen als erste entlassen, verloren damit auch ihren Platz im Wohnheim und wussten nicht wohin. Zudem stieg die neonazistische Gewalt rasant an, die dann in zahlreichen Übergriffen bis hin zu Morden an Arbeiter_innen aus Angola, Mosambik und Vietnam gipfelte.

Zurück in Mosambik wurden sie als sogenannte „madgermanes“ schikaniert und um bis zu 60% ihres Lohnes betrogen. Dieser steht ihnen zwar heute laut Staatsverträgen noch zu, jedoch fühlt sich dafür niemand verantwortlich. Diese Menschen wissen nicht mehr weiter und hoffen auf ein Einschalten der deutschen Politik.

Die Vertragsarbeiter*innen aus Mosambik, aber auch aus Angola, Vietnam und anderen Ländern wurden bei der Aufarbeitung des DDR Unrechts bisher weitgehend vergessen. Viele der ehemaligen Arbeiter_innen sind schon verstorben, andere wurden bei der Forderung nach Zahlung der ausstehenden Löhne von Polizei und Militär verschleppt. Weder die DDR-Gewerkschaften vom FDGB noch die aus dem Westen entsandten DGB-Gewerkschafter_innen hatten in der Zeit des wirtschaftlichen Umbruchs mit Abwicklung vieler Betriebe das Schicksal der Vertragsarbeiter_innen im Blick.

Der AK ver.di aktiv gegen rechts sieht die Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin der DDR per Staatsvertrag zur Zahlung verpflichtet, einschließlich einer angemessenen Verzinsung der vorenthaltenen Löhne und fordert Rentenzahlungen entsprechend der in der DDR geleisteten Beitragszahlungen. Dazu soll niederschwellige und unabhängige Beratung für Vertragsarbeiter_innen zur Sicherung der Nachweise ihrer erbrachten Leistungen erfolgen.